WCC / Parie 01: 1/2-1/2

Grünfeld hat mich nicht überrascht (Damengambit haben Kasparov und Karpov schon exzessiv ausdikutiert und Grünfeld führt regelmässig zu hoch-komplexen Stellungstypen); dass dann diese Variante aufs Brett kam – schon. Deprimierend -aber nicht überraschend- dass ich schon (?) ab dem siebten Zug den Überblick verlor – wäre es anders, würde ich wohl nicht am PC, sondern in dem besagten Glaskasten sitzen…

Meine bisherige Vermutung war ja nun: Gelfand hat sehr gute Chancen.

Nun, wie er so am Brett sitzt, und schwer atmet, hochroter Kopf, der ganze Körper aufgewühlt – in dem Zustand (fürchte ich) kann ein noch so gut präparierter Gegener Anand die Schach-Krone nicht stibitzen. Also hoffe ich, dass Gelfand in seinen Rhytmus finden wird.

Die Partie selbst fand ich köstlich und bin ganz verzaubert von der Dichte und Atmosphäre.

Dass so viel wegen des Remis in den Foren geschimpft wird – ich kann das nicht teilen. Gegenüber sitzen sich zwei der weltbesten Spieler, äusserst turnier-erfahren, bestens präpariert. Wenn eine Stellung verflacht, warum soll man dann noch weiter kämpfen?

Mir stellte sich die Frage: Wofür würde ich spielen?

Fischer sagte: ihm komme es darauf an, den Gegener zu vernichten, „to crush his ego, to devastate him“.

Diese beiden begegnen sich mit Respekt, und -so scheint es mir- es geht um eine Positionsbehandlung, also um den Inhalt, und nicht um die Medien.

Es kann doch in dieser irre gewordenen Welt kaum etwas schöneres geben, als wenn bei einem solchen Event sich zwei gegenübersitzen, die den Hype beiseite lassen, und das tun, was ihre Aufgabe ist: Schach, und dies in seiner reinsten Form. Keine Verhöhnung des Gegners, keine psychologischen „Spielchen“, sondern: Gentlemen playing Chess.

Ich hoffe: die Art und Weise des Umganges miteiander und der Respekt vor dem Inhalt bleibt so; wir werden schon noch den kommenden Weltmeister bestimmen.

Darüber freue ich mich; darauf bin ich sehr gespannt!

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