Verbindlichkeiten

Vielleicht 20 Jahre ist es her, da war ich auf Sizilien. Am Strand mündete ein Fluss ins Meer. Eines Tages liessen sich ein Vater und sein kleiner Sohn -beides Deutsche Touristen, wie ich- ins Meer hinaustreiben; um aber an den Strand zurückzukehren machten sie den Fehler, gegen die Strömung des Flusses auf dem Direkt-Weg zum Strand retour zu schwimmen: aussichtslos. Erschöpft rief der Vater um Hilfe, und die war für mich einfach: Raustreieben lassen, den Kleinen „abschleppen“ – quer zur Strömung und dann zum Strand, der Vater folgte.

Als er den Lösungsweg bemerkte: Danke, Du hast uns das Leben gerettet.

Am Strand: Stehen, keuchen, prusten.

Den Kleinen habe ich mit zu seiner wartenden Frau gebracht. Sie fragt ihn: wer ist das?

Er: er kenne mich gar nicht.

Ich bin nicht böse über sein Verhalten, denn er wird sich geschämt haben gegenüber seiner Frau, für seine Blödheit. Aber ein Danke gab es nicht – seltsam.

Neulich habe ich, bei einer Rückfahrt aus dem Westerwald zwei Menschen nach Köln mitgenommen. Grosser Dank war mir sicher. Ich sollte zu einem Umtrunk eingeladen werden. „Das machen wir auf jeden Fall“. Ich habe mich gefreut, und gerne den beiden je eine Visitenkarte gegeben.

Die eine hat sich bei mir nie gemeldet; die andere hat gestern mitgeteilt: Sie schreibt Klausuren und wenn sie Zeit hat, dann pflegt sie lieber ihre bestehenden Kontakte.

 Ergo: das menschliche Hirn passt sich den Strukturen an. Wenn es nutzt, dann ist das Mittel der Versprechung gerade recht. Wenn es Zeit wäre, Dankbarkeit zu zeigen – dann hat man sich eben versprochen.

So einfach ist das.

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