Konflikte

Ist es nicht seltsam?

Nehmen wir an, jemand gibt Ihnen -oder mir- sein Wort, seine Zusage. Sei dies durch einen formgerechten Vertrag, schriftlich fixiert auf Papier, oder durch ein -ebenso verbindliches- Wort: „So machen wir das!“ oder „Das machen wir so, auf jeden Fall.“

Was, wenn das Wort nun nicht eingehalten wird?

Es gibt die Möglichkeit der Diplomatie: ich erinnere, denn so war es besprochen. Aber seltsam: der andere kümmert sich nicht, und müsste es doch eigentlich tun. Die Last des kümmerns, des erinnerns, der Motivation lastet plötzlich nicht mehr auf ihm. Die andere Seite ist frei, gerade weil (!) sie nichts tut, das, was denjenigen, der aus dem gegebenen Wort Nutzen, Freiheit ziehen wollte, weiter bringen sollte, belastet ihn nun. Vorsichtig muss man sein, achtsam, tastend: denn es ist für den anderen vielleicht peinlich, erinnert zu werden – jetzt, da man es doch eigentlich los geglaubt hatte.

Die Dinge sind also gekippt: was vorher die eine Seite erhob, zieht sie nun hinunter. Dreh und Angelpunkt ist der Wunsch; die Achse liegt auf der Seite des anderen Menschen.

Scheitert die Diplomatie, dann gibt es die rechtliche Durchsetzung. Was ist das wert? Welche „freundschaft“ überdauert ein Gerichtsverfahren? Welche Geschäfts und Kundenbeziehung hält einen Mahnbescheid aus?

 Ist es nicht seltsam, dass die Nichteinhaltung einer Verbindlichkeit denjenigen befreit, der wortbrüchig ist?

Verkehrte Welt…

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