Archive for Januar, 2012

Menschenbilder

Dienstag, Januar 31st, 2012

Wie gut kenne ich Menschen? Mitunter denke ich: ich schaue bis auf ihren Grund.

Einen Satz später dann: ich kenne den Menschen gar nicht.

Fliessende Bewegungen

Montag, Januar 30th, 2012

In wie vielen Yoga Stunden habe ich das schon gehört: mache fliessende Bewegungen, wie Wasser.

Am Wochenende stand ich vor dem Rheinfall bei Schaffhausen (CH). Die auf den Grund prallenden Wassermassen lassen den Boden beben; das Tosen ist bis in den Bauch hinein spürbar. So rasend ist das Wasser, dass der Blick sich verliert.

So urgewaltig kann es sein, wenn Wasser fliesst.

Rede von Marcel Reich-Ranicki im Bundestag

Freitag, Januar 27th, 2012

Wie schmeckt das Leben?

Wie schmeckt Zyankali?

Dem armen Menschen, von dem Herr Reich-Ranicki berichtet, erschien kein anderer Weg gangbar. Wie schrecklich!

Verbindlichkeiten

Donnerstag, Januar 26th, 2012

Vielleicht 20 Jahre ist es her, da war ich auf Sizilien. Am Strand mündete ein Fluss ins Meer. Eines Tages liessen sich ein Vater und sein kleiner Sohn -beides Deutsche Touristen, wie ich- ins Meer hinaustreiben; um aber an den Strand zurückzukehren machten sie den Fehler, gegen die Strömung des Flusses auf dem Direkt-Weg zum Strand retour zu schwimmen: aussichtslos. Erschöpft rief der Vater um Hilfe, und die war für mich einfach: Raustreieben lassen, den Kleinen „abschleppen“ – quer zur Strömung und dann zum Strand, der Vater folgte.

Als er den Lösungsweg bemerkte: Danke, Du hast uns das Leben gerettet.

Am Strand: Stehen, keuchen, prusten.

Den Kleinen habe ich mit zu seiner wartenden Frau gebracht. Sie fragt ihn: wer ist das?

Er: er kenne mich gar nicht.

Ich bin nicht böse über sein Verhalten, denn er wird sich geschämt haben gegenüber seiner Frau, für seine Blödheit. Aber ein Danke gab es nicht – seltsam.

Neulich habe ich, bei einer Rückfahrt aus dem Westerwald zwei Menschen nach Köln mitgenommen. Grosser Dank war mir sicher. Ich sollte zu einem Umtrunk eingeladen werden. „Das machen wir auf jeden Fall“. Ich habe mich gefreut, und gerne den beiden je eine Visitenkarte gegeben.

Die eine hat sich bei mir nie gemeldet; die andere hat gestern mitgeteilt: Sie schreibt Klausuren und wenn sie Zeit hat, dann pflegt sie lieber ihre bestehenden Kontakte.

 Ergo: das menschliche Hirn passt sich den Strukturen an. Wenn es nutzt, dann ist das Mittel der Versprechung gerade recht. Wenn es Zeit wäre, Dankbarkeit zu zeigen – dann hat man sich eben versprochen.

So einfach ist das.

24-01-2012

Dienstag, Januar 24th, 2012

Lama Chenno

2012-Jan-23

Montag, Januar 23rd, 2012

mein körper – die mutter
mein atem – der wind
mein herz – das meer
meine seele – das universum

Maßstab

Donnerstag, Januar 19th, 2012

Denken wir uns einen glücklichen Menschen (anstatt zu versuchen, uns glücklich zu denken, anstatt es zu sein). Wie mag dieser Mensch in unserer Vorstellung sein? Gesund, mit allem Nötigen versorgt, kein (!) Bedürfnis ist offen, keine Frage unklar. Er ist gewissermassen „geistig satt“.

Wie machen wir ihn unglücklich?

Hiob mag es so gegangen sein: nach und nach wurden ihm alle Äusserlichkeiten, alles ihm wichtigen Dinge, genommen. So recht erschüttert hat ihn das nicht (wenngleich er hart getroffen war). Hiob hatte alles verloren – nicht aber seinen Glauben, den Punkt, in dem er ruhte, seine Zuversicht.

Ich will nicht biblisch werden oder sein, sondern mir geht es darum: Glück oder Unglück ist ein innerer Zustand.

Grosses Unglück überkommt jeden Menschen, der das, was er selbst ist, verlässt – der andere zum Maßstab nimmt.

Bin ich besser als die andere? Hat der andere vielleicht mehr? Warum habe ich all das nicht? Gibt es etwas, dass ich noch nicht habe? Werden andere mehr geliebt als ich? Kann Liebe echt sein ohne Ehe? Ist das Gefühl zwischen A und B ein „mehr“ im Vergleich zu A und C?

In dem Moment, wo wir Maßstäbe ansetzen, werden wir unzufrieden, unsicher. Das Bessere ist der Feind des Guten: eigentlich wäre ich ja zufrieden, aber ich bin es nicht: denn da gibt es etwas, dass ich (auch noch) will.

Vergleiche nehmen den Dingen ihren Zauber und ihre Schönheit.

Eine Blume riecht -einfach so empfunden- schier göttlich, vollkommen rein: wunderbar. Riecht die vergleichende Nase, dann ist es weder der Geruch der vorhandenen Blume, noch der Geruch der gemerkten Blume – also: gar kein Geruch, sondern lediglich der Gedanke, der in unsere „Wahr“nehmung gelangt. Wir sehen weder die Sache, noch empfinden wir etwas- es ist der Gedanke, der gedacht wird, das Denken wird als Empfindung wahrgenommen, und wir sind -schwupp- verschollen in der Unwirklichkeit.

Vergleiche schaffen keine Gleichheit; sie sind die Manifestation des anhaftenden, des greifenden Geistes.

Rainer Maria Rilke dazu:

Ich fürcht mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle Dinge um.

Ahimsa

Donnerstag, Januar 19th, 2012

Ahimsa ist das Gebot, keine Gewalt zu üben – jedes Leben, jede Lebensform zu respektieren.

Ahimsa ist ein Ausdruck des Respektes sich selbst gegenüber, denn alles Sein ist interdependent.

Nun bin ich krank, in meinem Körper sind Bazillen, Viren; sie fühlen sich dort sehr wohl, vielleicht spielen sie gar Karten, wenn sie sich gerade nicht vermehren.

Ist die Einnahme von einem Anti-Bioticum (gegen das Leben) ein Ahimsa – Verstoss?

Darf ich darauf erwidern: „Aber die Krankheitserreger haben angefangen!“?

Gilt Ahimsa absolut, oder ist abzuwägen?

Dies zu denken, ist schon Gewalt gegen mich selbst…

Die Bhagavad Gita

Mittwoch, Januar 18th, 2012

Ich habe mich immer gewundert: warum wurde für das Zwiegespräch zwischen Krisna und Arjuna ausgerechnet ein Schlachtfeld gewählt? Warum zeigt Krisna Arjuna all dies, während um sie herum ein Kampf tobt?

Weil es so ist. Das Leben ist so: wir bekommen nichts gezeigt im stillen Kämmerlein, im Labor, und haben dann Zeit, es zu lernen, zu verinnerlichen, zu kontemplieren. Uns darauf vorzubereiten, es anzuwenden.

Nein. Im Leben stehen heisst: mitten im Chaos sein. Menschen sterben, wir werden Zeuge voon Verletzungen, unser Innerstes wird zerrissen – und das ist der Moment,  in dem wir gelehrt werden.

Seltsam: erst jetzt wird mir klar, wie lebensnah diese Schrift ist.

Konflikte

Dienstag, Januar 17th, 2012

Ist es nicht seltsam?

Nehmen wir an, jemand gibt Ihnen -oder mir- sein Wort, seine Zusage. Sei dies durch einen formgerechten Vertrag, schriftlich fixiert auf Papier, oder durch ein -ebenso verbindliches- Wort: „So machen wir das!“ oder „Das machen wir so, auf jeden Fall.“

Was, wenn das Wort nun nicht eingehalten wird?

Es gibt die Möglichkeit der Diplomatie: ich erinnere, denn so war es besprochen. Aber seltsam: der andere kümmert sich nicht, und müsste es doch eigentlich tun. Die Last des kümmerns, des erinnerns, der Motivation lastet plötzlich nicht mehr auf ihm. Die andere Seite ist frei, gerade weil (!) sie nichts tut, das, was denjenigen, der aus dem gegebenen Wort Nutzen, Freiheit ziehen wollte, weiter bringen sollte, belastet ihn nun. Vorsichtig muss man sein, achtsam, tastend: denn es ist für den anderen vielleicht peinlich, erinnert zu werden – jetzt, da man es doch eigentlich los geglaubt hatte.

Die Dinge sind also gekippt: was vorher die eine Seite erhob, zieht sie nun hinunter. Dreh und Angelpunkt ist der Wunsch; die Achse liegt auf der Seite des anderen Menschen.

Scheitert die Diplomatie, dann gibt es die rechtliche Durchsetzung. Was ist das wert? Welche „freundschaft“ überdauert ein Gerichtsverfahren? Welche Geschäfts und Kundenbeziehung hält einen Mahnbescheid aus?

 Ist es nicht seltsam, dass die Nichteinhaltung einer Verbindlichkeit denjenigen befreit, der wortbrüchig ist?

Verkehrte Welt…