AaZ / 008 (besondere Kinder)

Heute waren wir im Phantasialand. Nicht spontan – sondern durch umfangreiche Diskussionen und mit vielen Seelenanteilen vorbereitet. Eingekauft hatte ich; die guten vegetarischen Schnitzel von netto; Brot, Möhren, Getränke, Tomaten, Nektarinen (…) – ich hätte die Heilsarmee eine ganze Woche verpflegen können. So hat es gerade für die Kinder gereicht.

Gerade angekommen, stehen wir vor einer Darbietung chinesischer (?) Künstler. Neben mir Frauen in Burkha; wie viele weiss ich nicht – es wäre sehr unhöflich, glaube ich, sie anzuschauen. Aber neben mir im Kinderwagen, da ist ein Kind, vielleicht sechs. Die Gliedmassen sind unkoordiniert, die Zähne sehr lückig, das Kind schielt sehr stark. Die Händchen sind abgeknickt, es sabbert ein wenig. Wir stehen ganz nah. Plötzlich berührt mich die fahrige Hand, und erschreckt wirft es den Kopf hin und her. Ich schäme mich, dem kleinen Menschen Angst einzujagen: wir stehen in einer Menschentraube, und wer weiss: ob der kleine Mensch solche Situationen positiv kennt?

Intuitiv streichle ich das linke Ärmchen des Kindes, und sofort entspannt es sich. Ich mache also weiter, und es wendet mir den Kopf zu, und schenkt mir ein Lächeln. Es ist so eines von der Art, wie sie nur ganz neue Menschen verschenken können, und solche, deren Geist durch bleibende Eindrücke nicht behindert ist. Rein, und ganz selig. Es will sprechen, die Lippen formen ein Wort. Aber es geht nicht: die Zunge fährt dazwischen, das Kind strengt sich so an. Schon verspannt es wieder. Ich beuge mich also herab, und halte mein Ohr nahe an den Mund. Aber ich höre nur den gepressten Atem. So murmle ich ein Mantra, und streiche ihm sanft über den Kopf. Das hat noch stets beruhigt. So auch hier. Das Kind möchte noch mal etwas sagen, und diesmal hat es meine Zeit und Aufmerksamkeit. Es klappt ! „Habibi“ sagt es, nimmt meine Hand, und schmust mit ihr an der Wange. Wir freuen uns zusammen. Je mehr ich mich freue, desto mehr freut sich der kleine Mensch.

Das ganze dauert nur wenige Minuten, dann stürzen sich die Frauen in den Vergnügungs-Moloch.

Wir gehen in seltsam sich bewegende Räume, fahren Achterbahn (aber nur für Kinder ab vier! Alles andere halte ich nicht aus!!!), besuchen Maus au chocolat (darf man auf Mäuse schiessen? Es sind Lebewesen! Man darf. Oh ja, und wie!!!! 162600 Punkte), schauen Talocan (?) und panische Menschen in Black Mamba. Ich befrage ein paar Fahrgäste, was sie für einen Eindruck haben, und oft fällt das Wort „Angst“. Ich kann nicht begreifen, warum ich mich einer starken Angst aussetzen sollte, oder meinem Körper eine bedrohliche Situation simulieren sollte – wozu? Für einen Meditations-Retreat ist das Phantasialand nun wirklich ungeeignet. Nicht, dass es „nicht ginge“- aber ein Eindruck soll auch verarbeitet werden. Was machte Angst? Wann? Wie? Warum? Woher? Wohin? Wo noch (…)? Und dafür ist keine Zeit. Nach einem Karussel, bei dem mir ganz schwindelig ist, bestehe ich darauf, mich hinzusetzen und nachzuspüren. Die Kinder verstehen das nicht, aber ich sitze. Wach, wie ein Berg (aus der Sicht einer Ameise) und offen … nicht. Ich gebe auf. Phantasialand einfach nur „durchlaufen lassen“ ist auch gut. So fahren wir Boot, spritzen mit Wasserkanonen, was nur irgendwie geht, und ich lese Schilder, die brütende Vögel vor Lärm schützen sollen. Also, das ist mal sicher: wenn ein Vogel nicht voll-taub ist, dann brütet er nicht im Umkreis von 10 km um das Phantasialand! Immer wieder nehmen wir uns Zeit, um auszuruhen – naja, mitunter ist es auch die nächste Warteschlange… und -wie versprochen- gehen wir erst, als alle Kinder bestätigen können, dass sie „leergespielt“ sind. Der Vater schläft um 20.15 h ein; ich glaube sogar, dass die Kinder nach mir das Traumland besuchen.

Ein intensiver Tag, mit lauter sehr besonderen Kindern.

Lokah samasta sukonoh bavantu.

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