Archive for Juli, 2011

AaZ / 016

Samstag, Juli 30th, 2011

Ich habe schon immer gesagt: Kein Mensch auf dieser Welt bringt mich so an meine Grenzen, wie meine Kinder.

Der Satz stimmt. 

AaZ / 015

Freitag, Juli 29th, 2011

Zeit vergeht wie im Flug. Regentage verbringen wir daheim oder in einem Indoor-Spielplatz; sind wir in Köln, und es regnet gerade nicht, dann machen wir Streifzüge – so durchforsten wir die Altstadt, und landen mitten in Ausgrabungsstätten und der Geschichte der Juden in Köln; beim Strassenbahnfahren durchzuckt mich ein Gedanke an Jan van Werth und wir sehen uns den Alter Markt an (nebst Brunnen). Heute (der Vormittag sollte wettermäßig gut werden) waren wir in der Stadt; ich wollte mit den Kindern Bücher besorgen. So haben wir zwar „das wilde Pack“ nicht erstehen können -noch nicht Mal in der Mayerschen!- aber dafür ein Band Peanuts von Schulz (finde ich toll) und ein Sammelband Asterix (findet Fynn so genial) und „Die Unendliche Geschichte“ (die Kinder wollten mir nicht glauben, wie toll das Buch ist).

Mein Körper lechzte so sehr nach anderer Belastung, dass ich -fast hastig- Mitglied in einem (sogar richtig guten!) Fitness-Studio geworden bin. Leider ohne Sauna. Nachdem die Lütten im Bett waren, war ich schon zwei Mal da. Herrschaft, wie gut das tut, zu belasten, zu dehnen, zu kräftigen und zu strecken!

Und: auch wenn ich nur wenige Viertelstunden von zu Hause weg bin – wie glücklich bin ich, wieder beieinander zu sein!

Meine Haarschneidemaschine ist gekommen – nun haben die Männer hier wieder richtig ordentliche Frisuren.

Die Kinder sind nur noch 1 und 1/2 Wochen hier. Der Gedanke daran, wieder Zeit ohne sie verbringen zu müssen, schmerzt.

AaZ / 014

Donnerstag, Juli 21st, 2011

Es regnet wie aus Kübeln – vor zwei Tagen. ich stehe mit den Kindern im Strassenbahnhaltetsellenhäuschen; eine junge Frau auch, sie raucht. Ein älterer Herr (ca 70, sehr dicke Brille) kommt dazu, und fängt mit der Frau eine Diskussion an, weil ihr Rauch meine Kinder stört. Ich höre zu, und wundere mich. Nachdem er sie zugetextet hat, versucht er es mit mir.

Ich frage ihn, wie er dazu kommt, zu wissen, was mich und meine Kinder stört.

Schwerer Fehler. Ich werde belehrt und belabert, bis ich ihm mitteile: Ich schätze seine Sorge sehr, sie ist jedoch unbegründet. Wenn es ihn (!) stört, dann habe ich dafür Verständnis, aber er soll bitte weder mich, noch meine Kinder mittelbar oder unmittelbar belangen – oder belästigen.

Nachdem er fort ist, frage ich die Kinder: was hat Euch gestört? Ve (trocken): „Der Mann“.

Es ist wohl eine Sache der Gausschen Normalverteilung. Je mehr Leute man kennenlernt, desto mehr nette Menschen gibt es. Aber da endet der Satz nicht.

ich frage mich so oft: was erwarten die Menschen? Ich wundere mich immer wieder, dass und wie sehr unbefriedet „der Mensch an sich“ ist. Es kommt mir skurril vor…

19-07-2011 G L Ü C K W U N S C H

Dienstag, Juli 19th, 2011

Nur sehr besondere Leute erhalten hier eine Würdigung.

Mein Vater ist heute 70 geworden.

Von Herzen Alles Gute !!!

AaZ / 013

Dienstag, Juli 19th, 2011

Gestern:

AufstehenKinderfertigmachenSchulbroteschmierenAnziehenKindergartenundSchulebringen

ArbeitenAbholenEinkaufenFrisörWaschenTrocknenPutzenRäumenEssenmachenKinderinsbettbringen

UffSelberschlafen.

AaZ / 012

Sonntag, Juli 17th, 2011

Philip, mein bester Freund – unsere Freundschaft überdauert bereits eine Ehe; er hat auch drei Kinder- und ich haben vor laanger Zeit beschlossen: er und ich treffen uns, wir nehmen die Kinder mit. Ein Papa Wochenende. Das wird super!

Nun also war es so weit: wir treffen uns in der JH in Altleiningen, nahe Speyer. Die DJH ist super, eine top-restaurierte Ritterburg mit benachbartem Freibad und angeschlossener Best-Gastronomie, und bei bestem Wetter warte ich auf seine Ankunft. Jan stürzt sich schnell noch von  einer Burgmauer, und schürft sich beim fallen aan einem Stein die Brust auf (vom Kehlkopf bis zum Bauchnabel). Er ist hart im nehmen – zum Krankenhaus muss ichnicht mit ihm; ausserdem ist Philip noch nicht angekommen, so kaann ich in Ruhe (haha!) auf ihn warten. Seine beiden Jungs bringt er mit, seine kleine Tochter lässt er daheim. Nach dem Mittagessen suchen wir einen (den) Spielplatz in Altleiningen auf, er liegt ganz nahe bei Ilses Kaufhaus, und nur einen Hopser vom Sarglager (das gibt es echt) entfernt. Attraktion des Platzes ist ein Hügel, von dem man herabrutschen kann, und unter dem eine Krabbelröhre läuft. Jan, Fynn und die Philips Buben verschwinden darin, und bald haben sie entdeckt, dass man prima Staub von dort drinnen aufwirbeln kaann; dann ist es, als rauchte ein gewaltiges Kanonenrohr.

Ab undan kommt ein staubiges, hustendes Kind hervor, schnappt nach Luft und spuckt den Staubmund sauber, trinkt einen Schluck, und verschwindet dann wieder.

Ich wundere mich schon lange nicht mehr über die Spiele der Kinder – so auch hier. Plötzlich kommt Jonathan, P. Ältester und mein Patenkind, aus der Staubkanone hervor, und heult, hält sich den Kopf und heult. Fynn hat ihm Sand ins Gesicht geschmissen. 86 % der Ladung sind zwischen Auge und Lid. Jonathan sieht aus, als hätte er die letzten vier Monate nicht geschlafen,  und als wir sein Auge öffnen, da leuchten uns ROTE Augen entgegen.Panik taucht auf. Augenverletzungen sind tückisch, gefährlich und von größter Bedeutung. Wir spülen und bitten Jonathan, so tränenreich wie möglich zu weinen.

Im Nachbarhaus bitte ich um mehr Wasser. Damit schaffen wir es bis zur Apotheke, und können Augentropfen besorgen. Morgen, am Montag, wird er zum Augenarzt gehen.

Heute fuhren wir nach Mannheim, ins Technikmuseum. Johlen, schreieien – an den Hintergründen und Zusammenhängen kein Interesse. Streit ums Essen, Zickerei bei der Bestellung im Restaurant.

Philip und ich haben wenig voneinander, das war klar. Wir müssen eher darauf achten, dass die Kinder nicht raufen, dass niemand umgerannt wird. Wie wildgewordene Hyänen. So kenne ich meine Jungs nicht; abwechselnd schäme ich mich, trenne sie, beruhige ein anderes Kind, suche ein Kind….

Hier startet das Heimkommen mit einem Riesenberg Wäsche und geht dann weiter, dass Fynn Jan mit einer Ladung Chipsbrei  bespuckt, nachdem Jan ihn ärgerete, und was davor war, weiss ich nicht.

Ich habe sie soeben beide zum spielen und lüften nach draussen geschickt.

So kann es gehen: da denke ich: das Wochenende wird so richtig toll, und es wäre vielleicht besser gelaaufen, wenn wir daheim geblieben wären.

AaZ / 011

Donnerstag, Juli 14th, 2011

Gestern war Mittwoch. Als es AaZ noch nicht gab, da war Mittwochs (am Abend) im Kindertelefonat. Mit wiederkehrendem Termin im Handy und strikter Einhaltung. Nun sind die „drei Terroristen“ schon länger bei mir; und ich muss sie -das ist wundervoll!- nicht mehr voller Schmacht anrufen, sondern es ist umgekehrt. Es ist 20.45 h, und das Handy klingelt – die Mama ist dran. Aber: die Kinder schlafen schon seit 19.50 Uhr – das war die letzte Zeit, die ich noch auf der Uhr gesehen habe, danach gingen auch bei mir die Lichter aus.

Wann ging ich das letzte Mal so früh ins Bett? Und fand es noch nicht mal „früh“?

AaZ 010

Dienstag, Juli 12th, 2011

Gestern, auf der Arbeit. Ich wundere mich: warum laufe ich nur so seltsam? Ein Blick unter die Schuhe (die ich auch im Phantasialand anhatte) zeigt: sie haben es nach über zwei Jahren einfach hinter sich, die Sohle hängt in Fetzen.

Also: Kinder abholen, umziehen, ab in die Stadt: das Paar Nr 004 (und diesmal: nur für de Fadda) ist fällig; BLEEP!!!

Im Laden fällt Jan noch schnell die Treppe herunter (The Force is with him: no injuries); Fynn und Ve kreischen die Fussgängerzone nebst Schuhgeschäft zusammen, beide schlafen in der Strassenbahn ein und zicken anschliessend, weil müde; natürlich muss Ve, sobald wir in die Straba zurück eingestiegen sind, ganz dringend (Fahrt dauert 20 Min) und kann es gar nicht mehr aushalten, Fynn hat so Hunger, dass er „nun gleich ohnmächtig wird“, und isst dann doch schon die Hälfte einer Laugenbrezel, um dann beim Abendessen zu stöhnen: „Oh, ich bin so pappesatt, ich kann nur noch Wii spielen“; Jan bekommt Bauchweh und muss den Weg getragen werden.

Gibt es Reinkarnation? Wenn ja: es liegt ein Irrtum vor. Ich sollte nicht in dieser Form inkarnieren, sondern als Flohbändiger…. denke ich, als ich die Kinder ins Bett bringe.

Beim Gutenachtkuss schlingen sich drei Mal zwei Ärmchen um mich, und ich werde geknuddelt und gedrückt.

Wie gerne ich ein Flohbändiger bin, denke ich, grinse in mich hinein, und gehe dann selber schlafen.

AaZ / 009 (geplättet)

Montag, Juli 11th, 2011

Sonntag – der Tag danach. Morgens Pfannkuchen (das traditionelle Nichtstu-Tag-Frühstücksessen) nachdem die Kinder mich um 07.30 -ich habe ausgeschlafen zu sein- aus dem Bett schmeissen. Schnell Waschmaschine, Spülmaschine erledigen und die Wohnung staubsaugen, dann vorlesen bis das Wetter gut ist, dann geht es nach draussen bis zum Garten-Mittagspicknick. In der Zwischenzeit Spiel und Bolzplatz (Ve kann genauso in der Halfpipe rennen, als ob sie ein Gatesboard fahren würde!) dann mehr Wäsche, dann Wii, dann baden, dann Abendessen, restliches vorlesen und Bett.

Das ist also ein Nichtstu-Tag. 

AaZ / 008 (besondere Kinder)

Samstag, Juli 9th, 2011

Heute waren wir im Phantasialand. Nicht spontan – sondern durch umfangreiche Diskussionen und mit vielen Seelenanteilen vorbereitet. Eingekauft hatte ich; die guten vegetarischen Schnitzel von netto; Brot, Möhren, Getränke, Tomaten, Nektarinen (…) – ich hätte die Heilsarmee eine ganze Woche verpflegen können. So hat es gerade für die Kinder gereicht.

Gerade angekommen, stehen wir vor einer Darbietung chinesischer (?) Künstler. Neben mir Frauen in Burkha; wie viele weiss ich nicht – es wäre sehr unhöflich, glaube ich, sie anzuschauen. Aber neben mir im Kinderwagen, da ist ein Kind, vielleicht sechs. Die Gliedmassen sind unkoordiniert, die Zähne sehr lückig, das Kind schielt sehr stark. Die Händchen sind abgeknickt, es sabbert ein wenig. Wir stehen ganz nah. Plötzlich berührt mich die fahrige Hand, und erschreckt wirft es den Kopf hin und her. Ich schäme mich, dem kleinen Menschen Angst einzujagen: wir stehen in einer Menschentraube, und wer weiss: ob der kleine Mensch solche Situationen positiv kennt?

Intuitiv streichle ich das linke Ärmchen des Kindes, und sofort entspannt es sich. Ich mache also weiter, und es wendet mir den Kopf zu, und schenkt mir ein Lächeln. Es ist so eines von der Art, wie sie nur ganz neue Menschen verschenken können, und solche, deren Geist durch bleibende Eindrücke nicht behindert ist. Rein, und ganz selig. Es will sprechen, die Lippen formen ein Wort. Aber es geht nicht: die Zunge fährt dazwischen, das Kind strengt sich so an. Schon verspannt es wieder. Ich beuge mich also herab, und halte mein Ohr nahe an den Mund. Aber ich höre nur den gepressten Atem. So murmle ich ein Mantra, und streiche ihm sanft über den Kopf. Das hat noch stets beruhigt. So auch hier. Das Kind möchte noch mal etwas sagen, und diesmal hat es meine Zeit und Aufmerksamkeit. Es klappt ! „Habibi“ sagt es, nimmt meine Hand, und schmust mit ihr an der Wange. Wir freuen uns zusammen. Je mehr ich mich freue, desto mehr freut sich der kleine Mensch.

Das ganze dauert nur wenige Minuten, dann stürzen sich die Frauen in den Vergnügungs-Moloch.

Wir gehen in seltsam sich bewegende Räume, fahren Achterbahn (aber nur für Kinder ab vier! Alles andere halte ich nicht aus!!!), besuchen Maus au chocolat (darf man auf Mäuse schiessen? Es sind Lebewesen! Man darf. Oh ja, und wie!!!! 162600 Punkte), schauen Talocan (?) und panische Menschen in Black Mamba. Ich befrage ein paar Fahrgäste, was sie für einen Eindruck haben, und oft fällt das Wort „Angst“. Ich kann nicht begreifen, warum ich mich einer starken Angst aussetzen sollte, oder meinem Körper eine bedrohliche Situation simulieren sollte – wozu? Für einen Meditations-Retreat ist das Phantasialand nun wirklich ungeeignet. Nicht, dass es „nicht ginge“- aber ein Eindruck soll auch verarbeitet werden. Was machte Angst? Wann? Wie? Warum? Woher? Wohin? Wo noch (…)? Und dafür ist keine Zeit. Nach einem Karussel, bei dem mir ganz schwindelig ist, bestehe ich darauf, mich hinzusetzen und nachzuspüren. Die Kinder verstehen das nicht, aber ich sitze. Wach, wie ein Berg (aus der Sicht einer Ameise) und offen … nicht. Ich gebe auf. Phantasialand einfach nur „durchlaufen lassen“ ist auch gut. So fahren wir Boot, spritzen mit Wasserkanonen, was nur irgendwie geht, und ich lese Schilder, die brütende Vögel vor Lärm schützen sollen. Also, das ist mal sicher: wenn ein Vogel nicht voll-taub ist, dann brütet er nicht im Umkreis von 10 km um das Phantasialand! Immer wieder nehmen wir uns Zeit, um auszuruhen – naja, mitunter ist es auch die nächste Warteschlange… und -wie versprochen- gehen wir erst, als alle Kinder bestätigen können, dass sie „leergespielt“ sind. Der Vater schläft um 20.15 h ein; ich glaube sogar, dass die Kinder nach mir das Traumland besuchen.

Ein intensiver Tag, mit lauter sehr besonderen Kindern.

Lokah samasta sukonoh bavantu.