Rechtsruck bei den Burschenschaften: Die Hansea Mannheim

Die empfundene (!) Not scheint gross: gewünschtes Ziel und Kurs des Vaterlandes weichen drastisch voneinander ab, so sieht es wohl der Dachverband. Ursachen mag es viele geben – eine liegt wohl (so sieht man es dort) in einer „Verfremdung“; und hier schon entsteht bei mir Widerwillen. Man will Menschen ausgrenzen, weil sie „anders“ sind.

Ich besuche also die Seite der Hansea Mannheim. Eine Burschenschaft, wie Burschenschaften eben sind. Ich stehe ihnen eher fern, akzeptiere aber, dass es Gruppen und Menschen gibt, die solche Ziele haben, und einen solchen Lebensweg gehen.

Freiheit heisst eben: es muss auch die Freiheit zum Anders-Sein geben.

Auf den Fotos sieht man: Farbentragende Burschen auf div. Anlässen, ein freundlicher junger Herr lächelt oft in die Kamera, er hat asiatische Gesichtszüge. Er könnte der Anlass des Streites sein.

Nun lese ich in den News Verwirrendes: etwas Volk, Abstammung, Zugehörigkeit zu Abstammungen – und denke: ich verstehe es nicht.

In meiner Studienzeit war ich ab und an auf den Häusern von Verbindungen, und habe manch rege Diskussion geführt:

Immer noch bin ich der Meinung, dass „Schlagen“ eine Körperverletzung darstellt, und es nicht Recht ist, dies als Zusammenschluss zu tolerieren oder gar zu fördern. Dass Uniformen und Farben doch mindestens unnötig sind: in allen Kleidern und Farben steckt doch immer ein Mensch. Die Reaktionen fand ich dennoch beeindruckend: Kein Rauswurf, keine Ausgrenzung. ich war gast, habe mich betragen, und so hat man sich sehr höflich und anständig mir gegenüber verahlten. Ich schätzte dies sehr – das tue ich noch immer. Und noch immer lehne ich es für mich ab.

Nun aber: der Junge Mann war bereits auf der Versammlung, dem Burschentag 2010. Er hat an Festen teilgenommen, sich eingebracht. Seine Burschenschaftbrüder stehen um ihn, haben ihn im Arm. So soll es ja nun sein: man ist einig.

Und nun: soll es eine Ausgrenzung geben? Wegen seines asiatischen Aussehens?

Wenngleich ich mit der Burschenschaftsbewegung (ich nenne es hier so) nicht sympathisiere, und „lediglich“ der Meinung bin, dass Freiheit auch hier ein Recht bleibt; aber dies schockiert mich tief.

Ist es ein burschenschaftsinterner Irrtum? Haben wir Aussenstehenden zu lange weggesehen? Ist dies die Konsequenz eines Streites, bei dem es um etwas völlig anderes ging, und es handelt sich lediglich um eine Retourkutsche?

Oder will ich einfach nicht sehen, dass es mitten im Herz und Hirn der Akademischen Landschaft zu einer drastsichen Fehlentwicklung gekommen ist?

Mir scheint: die Hansea Mannheim ist nun gefordert: festhalten am Eid, und Treue zum Bruder – oder Hörigkeit dem dachverband gegenüber? Und -so bleibt zu hoffen- die weiteren Burschenschaften – was ist mit denen? Werden sie sich durch den Dachverband weiterhin vertreten lassen?

Schockschwerenot! Ausgrenzung, Diskriminierung – das kann, das darf nicht sein!

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