Buddhismus und Christentum

Einem lieben Freund von mir schenkte ich einmal „Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben“ von Master Sogyal Rinpotsche.
Nach einer Zeit kam sein Feedback:

Was Buddhismus denn nun wirklich sei, das sei ihm nicht klar geworden; B. sei „so wenig greifbar“.
Ihm komme es absurd vor, zu einem Menschen (Buddha) zu beten.
Schlichtweg: der Buddhismus sei der Christlichen Religion zuwider (entgegengesetzt).

Ich war geschockt.

Mir stellt sich -immer noch- die Frage: Ist B. eigentlich eine Religion?
Nun glaube ich nicht, dass ich in der Lage und Situation wäre, hierüber wirklich etwas fundiertes zu äussern.
Ich kann nur sagen, was ich denke, was ich glaube.
Im B. geht es darum, Glück zu finden, glücklich zu sein. Im Einklang mit sich, im Kontakt mit sich – und mit den anderen fühlenden Wesen.
Nichts ist vordefiniert: der Buddha hat eindringlich gelehrt, nichts einfach deshalb zu glauben, weil er -oder ein anderer- es (so?) sagte.
Ich denke: es ist gut und richtig, wenn ein Mensch im B. eine Religion sieht, und die ihn glücklich und zufrieden macht.
Aber ich sehe NICHT, dass B. nur als Religion verstanden werden kann- vielmehr finde ich im B. (in Schriften von Menschen, die sich als Buddhisten bezeichnen) sehr wertvolle Techniken für das Leben im Alltag:
Was ist Meditation? Was ist Mitgefühl? Was verursacht Leid?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine philosophische „Wahrheit“ deshalb „falsch“ sein sollte, nur weil sie in der Bibel nicht steht.
Was ist verkehrt daran, gute und wertvolle Impulse anzunehmen, und sie -zu versuchen- umzusetzen?
Ich halte es indessen für verkehrt, zu sagen: alles ist eins, und aus Spiritualität weichzuspülen, bis sie so ausgelaugt ist, dass nichts mehr bleibt. Die Erkenntnis, dass Spiritualität befreit, ist das eine, aber dies erfordert einen zweiten Schritt: die Erkenntnis, dass Freiheit (des Einzelnen) ohne Verantwortung Egoismus und Diktatur ist – so geht es also nicht; bei der Erkenntnis „Alles ist Eines“ dürfen wir es nicht belassen, keinesfalls!
Wie wertvoll war es für mich, als mein Onkel im sterben lag, bei Sogyal Rinpoche nachzulesen; wie befreiend empfand ich es, mich mit dem Tod anzufreunden, wie wertvoll und stärkend sind die Bücher von Pema Chödrön für mich.
Ich glaube: Wichtiges aus beiden „Systemen“ kann sich gegenseitig ergänzen, und so den Sucher bestärken und hilfreich sein.
Was aus Liebe, liebender Güte und Hingabe geschieht, ist universell.
Jedes mag verschieden sein, vielleicht auch „Alles Eins“.
Aber keine Seite sollte die andere ausschliessen oder sich von ihr abwenden.
Im Gegenteil: was wir brauchen, sind offene, offenherzige Menschen.

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