Die Weihnachtsgeschichte…. anders?

Maria wurde vom Heiligen Geist schwanger (Mt 1,18 & Lukas 1,35).
Das Kind wurde geboren – Jesus kam auf die Welt.

Die Tragödie, die Josef gefühlt haben muss (Mt 1,19) klingt nur ganz sanft in der Bibel an: „er wollte sie nicht in Schande bringen“.
Dies bezieht sich aber nur auf die Zeit der Schwangerschaft, in der Josef sich die Frage stellte: stehe ich zu der Frau, nachdem ich sicher weiss, dass ich NICHT der Vater des Kindes bin?
Was mag Josef gedacht haben und sich vorstellen: über den Zeitraum der Zeugung? Marias Empfindungen währenddessen?
Wenn ich Josef wäre, und Maria würde mir sagen: „Da war nichts. Ich habe nichts gespürt.“ Würde ich meiner Frau glauben?

Und dann – schauen wir auf Jesus.
Oftmals wird die Weihnachtsgeschichte nur unter dem Blickpunkt betrachtet: Der Messias ist auf die Welt gekommen.
Dies bedeutet: der Mensch Jesus wird reduziert – auf seine Heilsfunktion.
Ob Jesus sich „normal“ fühlte?
Von seinem Ursprung her (Sohn Gottes) und seiner Mission (Messias) war er „der Einzige seiner Art“ – ein Yeti, gewissermassen.
War Jesus „normal“? War er einsam?
Wie mochte es für ihn gewesen sein, so zu sein, wie er nun einmal war?
Als er verstehen konnte, was „Mama und Papa“ bedeuten, und ihm seine Eltern sagten, „was mit ihm los war“ – und er das den anderen Kindern erzählte, wie mag es da gewesen sein?
Wurde er ausgelacht? In Ruhe gelassen? War da Gejohle?

Auf all dies antwortet die Bibel nicht – vielleicht, weil das Heil der Menschen im Vordergrund steht, vielleicht aus anderen Gründen.

Wie kam der Heilige Geist ausgerechnet auf Maria?
Wurde sie gefragt? Dazu angehört? Waren die Informationen vollständig?
Mt 1,21 sagt dazu nur sehr wenig, und dies auch durchweg positiv: „Jesus wird (…) selig machen.“
Würde mir dies gesagt: dächte ich an Leid, entsetzliche Folter, Verachtung, Missbrauch und Hass?
Es klingt so golden, so seicht: selig machen…

Wenn die Informationen aber doch vollständig waren: fühlen wir mit Maria, als sie hören musste: „Dein Kind wird die Sünden der Welt auf sich nehmen. Die Menschen werden ihn grausam hinrichten.“

Wie traumatisierend muss es für Maria gewesen sein, ihren Sohn über dessen Leben hin zu begleiten, und all dies mit zu erleben.
Ob Maria glücklich war über den Plan Gottes?
War sie gerne dessen Teil?
Wie mag es für sie als Mutter sich angefühlt haben?

Ist es aber falsch, diese Fragen zu stellen?
Oder ketzerisch?

Nein, denke ich. Wieso auch?

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.