Kommunikation

„Bist Du bei Facebook? Oder bei Twitter?“ wurde ich vor einiger Zeit gefragt.

Hintergrund war, dass ich gegenüber dieser Person den Wunsch äußerte, weiterhin zu kommunizieren.

Also, zu meiner Zeit hätte man hierfür ein Telefon benutzt. Dort werden nicht nur nüchterne Worte transportiert, sondern auch die Stimme, der Klang eines Wortes. So kann die Vieldeutigkeit eines Wortes unterstrichen, oder die Mehrdeutigkeit auf nur noch eine Bedeutung reduziert werden. Eine E-Mail hat nur noch annähernd diese Qualitäten. Und ein Blog ….?

Per SMS von einem Kuss zu lesen, und dann auch nur in einem Wort, ist-natürlich!-besser, als nichts. Und auf gar keinen Fall verwehre ich mich dagegen, per SMS geküsst zu werden. Aber ich empfinde es als widersinnig, mich mit einem Menschen in einem chatroom treffen zu sollen, der nur drei Straßen weiter entfernt wohnt.

Kann es sein, dass das Internet uns so viel Kommunikationsmöglichkeiten anbietet, dass wir dadurch einfach schier überlastet sind? Wer von uns hatte 1980 -als es Facebook noch nicht gab- 450 Freunde? Über das Internet bekommen wir alles mit, und alles sofort. Unsere Informationsmöglichkeiten sind gewachsen; die Möglichkeit, Informationen zu verarbeiten, sind gleich geblieben.

Ich bin in der glücklichen Lage eine Hand voll Freunde zu haben-echte, wirkliche Freunde.

Für mehr Beziehungen muss bereits die Sprache aushelfen: „guter Freund, bester Freund, guter Bekannter, Kollege…“

Würde ein soziales Netzwerk im Internet solche Bewertungsmaßstäbe und Kriterien einführen?

Ich finde meine Idee interessant: bei einem sozialen Netzwerk (übrigens: die Frage sei erlaubt, was eine der großen Parteien Deutschlands heute und jetzt noch unter „sozialer“ Demokratie versteht; ebenso sei die Frage erlaubt, welchen Begriffsinhaltes das Wort „sozial“ bei einem sozialen Netzwerk im Internet hat?) hat man bald die Möglichkeit, anzuklicken:

1) ist ein Idiot, hat aber zu viel Geld. Daher als potentielle Geldquelle unter Beobachtung.

2) sieht gut aus, ist aber monogam und in einer festen Beziehung. Wiedervorlage in drei Monaten: änderte sich etwas?

3)  wohnt in einem Ballungszentrum in schöner Lage. Lediglich die infrastrukturelle Anbindung ist interessant.

4) etc.

Wer, auf der anderen Seite, heute mit Informationen verbunden sein möchte, der benötigt dazu ein internetfähiges Handy, jedenfalls einen Internetzugang.

Eine „echte“ Beziehung mag es ja nun möglicherweise auch im Internet geben. Aber berichtet mir Freund 493 bei Facebook, welche Sorgen, Nöte, Ängste sie oder ihn gerade beschäftigen?

Welche Qualität, welche Intensität, hat uns die Informationsversorgung durch das Internet beschert?

Mein Eindruck ist: wiewohl wir schon vorher nicht in der Tiefe kommunizierten, sind wir durch das Internet noch stärker an die Oberfläche gebunden, und gehen dort nur noch in die Breite.

Verdamme ich dies?

Keineswegs!

Wahr bleibt indessen, was mein Vater stets betont ( und dem entnehme ich: dies war schon in seiner Generation eine lange gesicherte  Erkenntnis): „Die Dosis macht das Gift“.

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