Archive for November, 2010

Training

Montag, November 29th, 2010

Training bedeutet: „Prozesse, die eine verändernde Entwicklung hervorrufen.“
Es kann also um Sport gehen (Trainingslehre) aber eben auch um Reaktionen auf alles andere – Alltag, zB.
So ist der Geist gestrickt: wenn auf den Reiz „A“ stets die Reaktion „B“ erfolgreich war, dann konditionieren wir uns – durch Training wird „B“ zur „Standardreaktion“.
So sichern wir uns Erfolg im Leben.
Oder auch nicht: was, wenn „B“ zwar stets funktioniert, aber eben die drittbeste Option ist – oder gar nicht gut, sondern einfach nur funktionierend?
Dann wird das Tarining dämonisch: wir merken nicht mehr, dass etwas geschieht (weil eine Begleit-Erscheinung des Trainings eine Automatisierung ist) und nehmen die Reaktion von uns darauf nicht mehr wahr.
Je mehr wir also im Verhalten konditioniert werden, je mehr wir den Geist trainieren, desto mehr entgeht uns (?).

Auch -sicherlich!- „inverses Training“ mag es geben: wir trainieren, nicht vorgefasst auf einen Reiz zu agieren; wir trainieren, offen und unvoreingenommen zu sein. Jeder Moment ist neu, offen, zart und unvoreingenommen.
Das ist aber nicht das klassische Training, nicht die klassische Konditionierung, die wir kennen.

Aus dieser Perspektive betrachtet:
Der trainierte Geist sagt von sich: Ich denke, also bin ich.

Stimmt das?
Von daher: eher nein. Leider.

Frei nach E. Tolle

Montag, November 29th, 2010

„Vergewissern Sie sich, dass Sie diese Zeile jetzt lesen“

Verunsichernd

Sonntag, November 28th, 2010

„Macht Euch keine Gedanken darüber, ob es ein Leben nach dem Tod gibt,

sondern darüber, ob es ein Leben vor dem Tod gibt.“

Alltag

Mittwoch, November 24th, 2010

Betrachte ich das, was ich „Alltag“ nenne, so fällt mir auf: die Zeit des Alltages kommt mir oft wie eine Zwischenzeit vor; eine Zeit, die zwischen zwei wichtigen Ereignissen liegt. Die Ereignisse erscheinen mir wichtig-die Zeit dazwischen schätze ich nicht.

Ob dies richtig ist?

Immerhin: der Zeitraum, der von einem Ereignis umschlossen wird, ist ebenso Lebenszeit, wie die Zeit, die alltäglich verstreicht.

Dies führt zu den Fragen:

Trifft die Wertung zu (was ist Alltag/was ist“Highlight“)?

Gibt es in meinem Leben zu wenige Highlights? Oder zu viel Alltag?

Nehme ich voll und ganz wahr, was ist? Ständig geschieht eine Menge-möglicherweise kommt davon nur ein Bruchteil bei mir an; dies könnte ich dann als „Alltag“ empfinden. Der Rest ist entgangen.

Die zuletzt genannte Frage zieht mich magisch an. Ein Indiz dafür, dass in ihrer Antwort etwas ist, was mich reizt.

Wirklich, voll und ganz, präsent zu sein:  wie würde solch ein Leben sich anfühlen?

Mitgefühl

Dienstag, November 23rd, 2010

Ein Begriff, der für ein Tun / Handeln von zentraler Wichtigkeit steht:

„Emotionen und Empfindungen des Anderen bei sich selbst erleben und diese dadurch besser verstehen können.“
„Ein aktiver Prozess des einfühlenden Verstehens.“
„Ein ganzheitliches / vollkommenes Erfassen des Anderen in der eigenen Psyche / dem eigenen Bewusstsein“
„Perspektivenübernahme“
„Mitgefühl ist der Fluß von Liebe von einem Herzen zum anderen.“ (!!!)

All dies sind Definitionen, wie man sie bei wikipedia (zB) findet.

Wie hoch, wie herausfordernd können einzelne Aspekte des Alltäglichen sein!
Wie gross ist die Bandbreite von möglicher Reaktion – wie hoch ist der Maßstab für ethisch und moralisch hochstehende Kommunikation!
Wie tief muss man sich selbst erfassen, um Mitgefühl entwickeln zu können?
Jemandem begegnen, der vollendet in dieser Übung ist – ob dies ein erleben des „ankommens“, von „Heimat“ ist?

Nur ein einziges Wort – und ein so grelles Licht !

Oh Schreck, es gibt mich!

Montag, November 22nd, 2010

Da staune ich nicht schlecht; seit ein paar Tagen erst bin ich bloggend online, und schon findet mich google – und damit ist es dann wohl schon soweit: alsbald wird diese Seite dutzende „Klicks“ im Jahr erhalten. Berühmtheit droht…

Indessen:

Das Entsetzen geht noch weiter!
Es gibt mehr, als nur diesen einen Blog, der „Ansichten eines Clowns“ genannt wird.

Da wirkliche Genialität an Einzigakrtigkeit erkannt wird, ist nunmehr bestätigt, was ich schon in den einleitenden Einträgen dieses Blogs mutmasste:
Nichts Neues unter der Sonne; im Westen nichts Neues; nirgendwo eine Erkenntnis in Sicht.
So muss sich Goethe gefühlt haben, als er hauchte: „Mehr Licht!…“

Leben auf der Überholspur

Montag, November 22nd, 2010

Heute auf der 3-spurigen A3.
Rechts: ein LKW (fährt 80 km/h).
In der Mitte wird er von einem PKW überholt (fährt 100 km/h).
Diese beiden Fahrzeuge sind auf diesen beiden Spuren die einzigen -von Horizont zu Horizont. Alle anderen sind emsig mit überholen beschäftigt – mit 110 km/h auf der linken Spur.
Zwei Dinge fallen mir dazu ein: so muss es vor langer Zeit in England auch gewesen sein – der Linksverkehr ist also auch eine Deutsche Erfindung. Und: kein Autobahnausbau, kein Verkehrsleidsystem kann hieran etwas ändern: wer glaubt, den Vorrang gepachtet zu haben, blockiert alle anderen – und sich selbst.

Kommunikation

Sonntag, November 21st, 2010

„Bist Du bei Facebook? Oder bei Twitter?“ wurde ich vor einiger Zeit gefragt.

Hintergrund war, dass ich gegenüber dieser Person den Wunsch äußerte, weiterhin zu kommunizieren.

Also, zu meiner Zeit hätte man hierfür ein Telefon benutzt. Dort werden nicht nur nüchterne Worte transportiert, sondern auch die Stimme, der Klang eines Wortes. So kann die Vieldeutigkeit eines Wortes unterstrichen, oder die Mehrdeutigkeit auf nur noch eine Bedeutung reduziert werden. Eine E-Mail hat nur noch annähernd diese Qualitäten. Und ein Blog ….?

Per SMS von einem Kuss zu lesen, und dann auch nur in einem Wort, ist-natürlich!-besser, als nichts. Und auf gar keinen Fall verwehre ich mich dagegen, per SMS geküsst zu werden. Aber ich empfinde es als widersinnig, mich mit einem Menschen in einem chatroom treffen zu sollen, der nur drei Straßen weiter entfernt wohnt.

Kann es sein, dass das Internet uns so viel Kommunikationsmöglichkeiten anbietet, dass wir dadurch einfach schier überlastet sind? Wer von uns hatte 1980 -als es Facebook noch nicht gab- 450 Freunde? Über das Internet bekommen wir alles mit, und alles sofort. Unsere Informationsmöglichkeiten sind gewachsen; die Möglichkeit, Informationen zu verarbeiten, sind gleich geblieben.

Ich bin in der glücklichen Lage eine Hand voll Freunde zu haben-echte, wirkliche Freunde.

Für mehr Beziehungen muss bereits die Sprache aushelfen: „guter Freund, bester Freund, guter Bekannter, Kollege…“

Würde ein soziales Netzwerk im Internet solche Bewertungsmaßstäbe und Kriterien einführen?

Ich finde meine Idee interessant: bei einem sozialen Netzwerk (übrigens: die Frage sei erlaubt, was eine der großen Parteien Deutschlands heute und jetzt noch unter „sozialer“ Demokratie versteht; ebenso sei die Frage erlaubt, welchen Begriffsinhaltes das Wort „sozial“ bei einem sozialen Netzwerk im Internet hat?) hat man bald die Möglichkeit, anzuklicken:

1) ist ein Idiot, hat aber zu viel Geld. Daher als potentielle Geldquelle unter Beobachtung.

2) sieht gut aus, ist aber monogam und in einer festen Beziehung. Wiedervorlage in drei Monaten: änderte sich etwas?

3)  wohnt in einem Ballungszentrum in schöner Lage. Lediglich die infrastrukturelle Anbindung ist interessant.

4) etc.

Wer, auf der anderen Seite, heute mit Informationen verbunden sein möchte, der benötigt dazu ein internetfähiges Handy, jedenfalls einen Internetzugang.

Eine „echte“ Beziehung mag es ja nun möglicherweise auch im Internet geben. Aber berichtet mir Freund 493 bei Facebook, welche Sorgen, Nöte, Ängste sie oder ihn gerade beschäftigen?

Welche Qualität, welche Intensität, hat uns die Informationsversorgung durch das Internet beschert?

Mein Eindruck ist: wiewohl wir schon vorher nicht in der Tiefe kommunizierten, sind wir durch das Internet noch stärker an die Oberfläche gebunden, und gehen dort nur noch in die Breite.

Verdamme ich dies?

Keineswegs!

Wahr bleibt indessen, was mein Vater stets betont ( und dem entnehme ich: dies war schon in seiner Generation eine lange gesicherte  Erkenntnis): „Die Dosis macht das Gift“.

Mitleid

Freitag, November 19th, 2010

Am 4. Oktober starb Bob. Dies kam nicht überraschend: Bob wurde 88 Jahre alt. Wir standen uns sehr nahe. Es war eine tiefe, innige Freundschaft. Trotz des hohen Alters-als ich den Brief öffnete, und begriff, was ich in Händen hielt, traf mich der Blitz.

Bob ist nunmehr nicht physisch unmittelbar anwesend. Leide ich darunter?

Buddha sagt: „Leiden ist anhaften an Schmerz“.

Empfinde ich also Schmerz? Ja, einerseits. Dieser Schmerz ist jedoch kein originäres Gefühl. Vielmehr handelt es sich um eine Reaktion. So lange, wie Bob lebte, empfand ich Dankbarkeit und Freude dafür, dass solch ein helles Licht wie er in mein Leben schien. Der empfundenen Schmerz ist also-im Grunde genommen-eine Reaktion auf die Abwesenheit von Freude; das negative Gefühl ist somit (nur) die Kehrseite des positiven Gefühls.

Dies sehend, geht der Schmerz nicht weg. Es kommt jedoch eine neue Perspektive hinzu: Schmerz ist ein Hinweis auf Freude.

Heute, bei Britta

Freitag, November 19th, 2010

Zwei Dinge geniesse ich bei Britta stets besonders:

Ihre Aufmerksamkeit. Wenn ich -wie meist- schon um 18.oo h da bin, also noch 1/2 h Zeit ist, dann  hat sie Zeit für mich -wenn sie wirklich Zeit hat (dann aber: ganz).

Ihre Töchter. Ja, ich bin 38. Damit könnte ich -vielleicht- doppelt so alt sein, wie ihre Älteste. Aus deren Sicht bin ich „alt“ – es sei. Heute hat sie mir ihr Handy gezeigt (mit Touchscreen und allem Schnickes). Auch dies hat mich gefreut. Indessen: wie stets, wenn mir die junge Dame Ihr Handy zeigt, bekommt sie diesen nachsichtigen Ton in der Stimme; plötzlich bin ich umgeben von Verständnis, und jedwede Unwissenheit von mir (so sie denn da wäre) wird schon im Vornhinein mit Verständnis und Mitgefühl umfangen (ist sie wirklich da? Oder bilde ich mir das ein?).

Würde „sie“ diese Empfindung brüsk von sich weisen? Vielleicht. Auch hier: es sei. Ich kichere in mich hinein, wenn ich plötzlich spüre, dass ich zwar gerade eben erst so alt war, wie sie – es aus ihrer Sicht aber noch ewig ist, bis dahin, wo ich bin (und noch ein einziger Schritt weiter, dann riecht man auch muffig!).

Es war noch im Sommer, da sah ich ihrer Freundin beim SMS-schreiben zu; ein Daumen mit 8 Gelenken; kardanisch gelagert! Ich war sehr beeindruckt. Dies bemerkend, wurde ich ob des Grundes in Kenntnis gesetzt:

Britta-Tochter und Freundin stammen eben aus einer Generation, die mit dem Handy aufgewachsen ist. Da ist diese Schnelligkeit eben nichts bemerkenswertes. („Ach so“ denke ich – „mein erstes Handy kaufte ich in Freiburg, zu Beginn meines 5. Semesters – da hast Du gerade Bruchrechnen gelernt… „)

Daran, dass ich denke: so war ich auch! erkenne ich, dass ich tatsächlich der Ältere bin. Und freue mich -wie ein Schnitzel- dass ich mich so freuen kann. Und denke dann: lass es uns nicht merken! Nicht merken, dass ich nicht weiss, wer Recht hat, und in welche Kategorie ich gehöre – und sie nicht, dass ich mich amüsiere, und dies echt und wirklich geniesse.